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Ein Paradies für Schnecken - Schneckenplage

Als grösste Plage im Garten bezeichneten 7500 Leserinnen und Leser der englischen Zeitschrift ‚Gardeners’ World’ in diesem Sommer die Schnecken. Dieser Beurteilung werden viele Gärtneinnen und Gärtner auch hierzulande zustimmen.

Es scheint so, als ob die Population von Jahr zu Jahr grösser werde, insbesondere jene der Spanischen Wegschnecke.

Der manchenorts trockene, warme Frühling hat nur kurzfristig zu einer Verringerung der Nacktschnecken beigetragen. Mit dem feuchten, wechselhaften Sommerwetter haben sie sich ausgezeichnet erholt und stürzen sich seither auf (fast) alles was grün ist und gut schmeckt.

Spanische Wegschnecke

Bild: Arion lusitanicus, kannibalische Spanische Wegschnecke - Kjetil Lenes

Es sind insbesondere drei Schneckenarten, die den Gartenpflanzen zu leibe rücken: Ackerschnecken (Doroceras) und Wegschnecken (Arion). Bei den Wegschnecken hat sich vor allem die Spanische Wegschnecke (Arion lusitanicus) stark verbreitet, da selbst ihren potentiellen Feinden zu bitter schmeckt. Amseln fressen zwar vereinzelt Wegschnecken, bevorzugen aber Regenwürmer.

Schnecken haben eine wichtige Stellung im Nahrungskreislauf,  indem sie abgestorbene Pflanzenteile beseitigen, im Kompost  Pflanzenteile und tierische Abfälle und auch  tote Artgenossen zerkleinern. Sie leben meist nur ein Jahr, deshalb müssen sie sich in dieser Zeit einiges an Futter zuführen, sich paaren und Eier legen. Interessant zu beobachten ist, dass sie immer jene Pflanzen zuerst fressen, die am schwächsten sind. Allerdings fressen sie immer häufiger auch alle andern.

Spanische Wegschnecken verstecken sich gerne tagsüber in Hecken, in hohem Grass oder unter Stauden. Abends suchen sie sich einen guten Futterplatz.
Garten-Wegschnecken kriechen im Sommer in die Erde, um nicht auszutrocken und treten abends ihre Streifzüge an.

Wer Schnecken sinnvoll bekämpfen will, sollte gewisse althergebrachte Methoden in Frage stellen. Folgende Methoden sind nur dann sinnvoll, wenn die Schnecken regelmässig eingesammelt und vernichtet werden:

  • Bierfallen: Schnecken lieben Bier. Sie riechen den Saft von weitem und treffen sich beim Bier. Für andere Nützlinge (Käfer)  kann die Bierfalle tödlich sein
  • Das Auslegen von Ködern wie  Hundebisquits oder Weizenkleie zieht vor allem Schnecken an.

Feuchtigkeit, Mulch

  • Morgens giessen. Schnecken sind abends unterwegs. So sind Pflanzen und Böden trocken und ziehen nicht unnötig viele Schnecken an.
  • Pflanzen ganz gezielt giessen. Nicht die ganze Fläche befeuchten.
  • Öfters vorsichtig Boden lockern mit einer Hacke.
  • Bei schneckenempfindlichen Pflanzen auf Mulch verzichten. Mit organischem Mulch, Feuchtigkeit und Ernteabfällen werden Schnecken angezogen

Schutz und Abwehr

  • Kleinere Gemüsegärten mit Schneckenzaun versehen
  • Empfindliche Jungpflanzen mit Schneckenkragen und/oder Schneckenkörnern auf der Basis von Eisenphosphat (z.B. Ferramol) schützen
  • Schnecken abends einsammeln. Bretter auslegen, so können sie gut eingesammelt werden können
  • Indische Laufenten für grössere Gärten geeignet
  • Ansiedelung von Berg- und Teichmolchen (fressen junge Schnecken): für grössere Naturgärten  mit Teich
  • Schneckenresistene Pflanzen wählen (Liste von Bioterra)

Arion lusitanicus

Bild: Spanische Wegschnecke unterwegs durchs Gras - Hakan Svensson (Xauxa)

Manche Ratgeber raten zum Sammeln der Schnecken. Was aber dann damit zu tun sei, darüber schweigen sie sich aus.
Was also tun damit?

Wegtragen: Manche tragen die Schnecken zu einer weiter entlegenen Hecke, um sie dort zu deponieren. Damit ist das Problem einfach etwas weiter weg.
Zerschneiden ist etwas für Abgebrühte,  bringt aber raschen Tod. Die Leichen entsorgen,  da sie sonst wiederum Schnecken anziehen.
Übergiessen mit heissem Wasser bringt den schnellen Tod.
Einsalzen ist ein qualvoller Tod, besser nicht.

Ein paar Wörter zu Schneckenkörnern

Vom Ausbringen herkömmlicher Schneckenkörner auf Basis von Metalldehyd ist abzuraten. Das Gift wird mit den (toten) Schnecken von Nützlingen aufgenommen und lagert sich so bei Igeln oder anderen Fressfeinden an. Die Giftstoffe bewirken im Körper der Schnecken eine Zerstörung der Zellen, was zu einer starken Schleimabsonderung führt. Werden Metalldehyd-Schneckenkörner von Hunden oder Katzen gefressen, so zeigen sie unter Umständen (je nach Menge) Vergiftungserscheinungen.
Die neuen, auf Eisenphosphat basierenden Schneckenkörner bewirken, dass die Schnecken nichts mehr fressen und sich zurück ziehen. Die auch natürlicherweise im Boden vorkommende chemische Verbindung stellt weder für den Boden noch für die Fressfeinde eine Gefahr dar. Die häufig unter dem Namen ‚Feramol’ angebotenen Schneckenkörner sind im biologischen Landbau zugelassen. Es muss eine grössere Menge an Schneckenkörnern gestreut werden als bei den konventionellen (Metalldehyd-Schneckenkörnern) und das Ausstreuen auch öfters wiederholt werden.

Teaser Bild: Essende Spanische Wegschnecke - Hakan Svensson (Xauxa)

 

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