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Stadtgrün: Wuchsqualität beginnt in der Baumschule

Bild klimafarmer

Der Begriff Baumschule hat nichts mit Lernen oder Schule im üblichen Sinn zu tun. Er leitet sich historisch von dem Fachbegriff „verschulen“ ab, was so viel wie „verpflanzen“ bedeutet.

In einer Baumschule werden junge Bäume regelmässig verpflanzt, damit sie ein starkes, feines und vor allem kompaktes Wurzelwerk ausbilden, wodurch sie später besser verpflanzt werden können und sicherer anwachsen. Julian Huben von der gleichnamigen Baumschule aus Ladenburg bei Heidelberg erläutert: „Wir wollen, dass unsere Bäume aus den Freilandquartieren ebenso wie die Containerware perfekt vorbereitet sind für das Weiterwachsen an ihren späteren Standorten. Das ist insbesondere wichtig für Bäume, die in Städten und Gemeinden gepflanzt werden, wo die Bodenverhältnisse oft suboptimal sind.“ Die wichtigste Voraussetzung für eine gute spätere Wuchsleistung liegt deshalb im Boden bzw. bei Containerware im Substrat. Ron Richter, Geschäftsführer der klimafarmer GmbH aus Nierstein/Rheinland-Pfalz forscht schon seit vielen Jahren an Möglichkeiten zur Bodenverbesserung für Landwirtschaft, Weinbau und auch für Gartenbaubetriebe. Gemeinsame Schnittstellen zur Baumschule Huben sind die Erprobung pflanzenkohlebasierter Zuschlagsstoffe für Baumschulsubstrate sowie die Messung und Bewertung von Ökosystemleistungen.

Bild klimafarmer: Werden Bäume in normalen Töpfen kultiviert, können Ringelwurzeln entstehen, die sie lebenslang beeinträchtigen.

Standort- und Bodenqualität in Städten

Pflanzen, die in der Baumschule in aller Regel optimierte Wuchsbedingungen hatten – gute Böden mit ausreichender Wasser-, Luft- und Nährstoffversorgung – müssen nach der Pflanzung an städtischen Standorten mit mehr oder weniger gestörten Böden zurechtkommen: Eingeschränkter Wurzelraum, reduzierte Nährstoffversorgung, geringe Wasserverfügbarkeit, ausserdem oft noch Schadstoff- und Streusalzbelastung. Nimmt man die weiteren stadttypischen Klimawirkungen – vor allem den städtischen Wärmeinseleffekt – hinzu, wird klar, warum Bäume im ersten Jahr nach der Neupflanzung mit einer vorübergehenden Stressreaktion reagieren. Profis kennen dafür den Fachbegriff „Pflanzschock“: Typisch sind zunächst geringe Zuwächse, welkende oder verfärbte Blätter, ein verzögerter Austrieb oder insgesamt ein gebremstes Wachstum. Ursache ist meist, dass der Baum nach dem Pflanzen noch nicht genug Feinwurzeln gebildet hat, um ausreichend Wasser und Nährstoffe aufzunehmen. Ron Richter: „Der Pflanzschock ist eine normale Anpassungsphase, aber diese wird umso schneller überwunden, je besser die Gehölze in den Baumschulen vorbereitet sind und je besser der Pflanzort vorbereitet wurde. In der Baumschule gut vorgezogene, im Wurzelwerk hochwertig entwickelte Bäume verkraften den Standortwechsel in der Regel besser.“

Bild klimafarmer: Air-Pot-Systeme mit Pflanzenkohlehaltigem Substrat zählen zu den favorisierten Verfahren, um Bäume mit gutem Wurzelsystem zu produzieren.

Gute Schule

Eine gute Bodenqualität ist wichtig, weil Wurzeln nicht nur Halt, sondern vor allem Wasser, Nährstoffe und Sauerstoff brauchen. Je schneller und besser ein Baum am Standort einwurzelt, umso besser kommt er langfristig mit Stress am Stadtstandort zurecht. Ron Richter: „Die Grundlage für ein langes Baumleben wird jedoch bereits in der Baumschule gelegt. Dort entwickelt der Baum die Wurzelstrukturen, die später massgeblich über seine Vitalität, Standfestigkeit und Anpassungsfähigkeit entscheiden. Werden Wurzeln während der Kultivierung fehlgeleitet, entstehen häufig Ringelwurzeln oder Verdickungen, die den Baum ein Leben lang beeinträchtigen können. Auch ungeeignete Wurzelschnitte, eine mangelhafte Wurzelbehandlung oder Körnungsbruch im Substrat zählen zu typischen Fehlern, deren Folgen sich oft erst Jahre oder sogar Jahrzehnte später zeigen.“

Und nicht nur in Städten müssen Bäume mit den Folgen des Klimawandels zurechtkommen: Ein Blick in die historischen Gärten zeigt, wie sehr dort die Altbestände leiden. Bei notwendigen Neupflanzungen soll den Bäumen deshalb ihre Lebensversicherung zurückgegeben werden – also möglichst unverletzte, vitale Wurzeln in phytopathologisch sauberem Substrat. Dafür wurde vor Ort ein System entwickelt, das es ermöglicht, neue Bäume aus Röhren mit tiefreichenden, bis zu einem Meter langen Wurzeln zu pflanzen. Die Röhren werden mit speziellem, an den späteren Standort angepassten Substrat gefüllt und direkt eingesät. Nach der Pflanzung kann sich so ein Wurzelsystem ähnlich dem eines natürlich gekeimten Baumes entwickeln. Es werden sehr kleine Bäume ohne Wurzelschnitt gepflanzt; das soll einer Infektion durch Schaderreger im Boden vorbeugen. Ausschliesslich torffreie Mischungen sind im Einsatz, u.a. auch mit Pflanzenkohle.

Bezüglich der Anzucht in der Baumschule bevorzugt man moderne Verfahren wie Air-Pruning- oder Air-Pot®-Systeme. Diese zeigen eindrucksvoll, wie sich eine gesunde, fein verzweigte und leistungsfähige Wurzelentwicklung fördern lässt. Im Unterschied zur Freilandproduktion werden die Bäume in diesen Verfahren in substratgefüllten Spezialcontainern gepflanzt.

Bild klimafarmer: Eine gesunde Wurzel bietet Vorteile für Wasserhaushalt und Nährstoffspeicherung und fördert den Stammzuwachs.

Von Anfang an

Dr. Axel Schneidewind von der Landesanstalt für Landwirtschaft und Gartenbau Sachsen-Anhalt in Quedlinburg hat hierzu geforscht: Über einen Zeitraum von acht Jahren stellte er bei in Containern angezogenen Winter-Linden wulstartiges Wachstum am Stammfuss als Folge von Ringelwurzeln fest. Allein im Air-Pot®-System angezogene Winter-Linden zeigten keinerlei Ringwurzelausprägungen und zudem das beste Ergebnis beim Stammzuwachs. Diana Ganzert, Dezernentin des Kompetenzzentrums, geht davon aus, dass sich in Kombination mit Pflanzenkohle als Substratbestandteil zusätzliche Vorteile für Wasserhaushalt, Nährstoffspeicherung und Wurzelgesundheit ergeben können – Vorteile, die sich nach den Erfahrungen der klimafarmer sowohl bei der Anwachsphase als auch in der langfristigen Entwicklung der Bäume deutlich bemerkbar machen. Eine hochwertige Wurzelentwicklung verbessert nicht nur das Anwachsen eines Baumes, sondern erhöht seine Etablierungsqualität. Ron Richter: „Jeder erfolgreich etablierte Baum beginnt früher mit der Erbringung seiner Ökosystemleistungen. Er kühlt die Stadt, speichert Kohlenstoff, filtert Luftschadstoffe, hält Niederschlagswasser zurück und fördert die Biodiversität. Eine hohe Etablierungsqualität steigert damit nicht nur die Lebensdauer eines Baumes, sondern auch seinen ökologischen und wirtschaftlichen Wert für die Kommune.“

Bild klimafarmer: Klimafarmer Ron Richter: "Jeder erfolgreich etablierte Baum beginnt früher mit der Erbringung seiner Ökosystemleistungen. Er kühlt die Stadt, speichert Kohlenstoff, filtert Luftschadstoffe, hält Niederschlagswasser zurück und fördert die Biodiversität."

Mehr Informationen zum Angebot der Baumschule und Pflanzenfachhandel Huben finden Sie unter www.huben.de, Ergebnisse zu den Versuchen des Kompetenzzentrums unter llg.sachsen-anhalt.de sowie Sortiment und Dienstleistung der klimafarmer unter www.klimakohle.de und www.klimafarmer.de. Zum Forschungsstand in den historischen Gärten gibt es Informationen unter www.klimaanpassung-gartendenkmal.de.

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