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Schneeglöckchen-Reisen mit Hindernissen

Wer eine Reise tut, der sollte sich im voraus informieren. Das gilt ganz besonders für Schneeglöckchen-Reisen ausländischer Anbieter. Schweizer Teilnehmerinnen und –Teilnehmer könnten bei der Einfuhr von speziellen Sorten ohne entsprechende Papiere böse Überraschungen erleben.

Schneeglöckchen sind im Trend. Seit einigen Jahren werden für gesuchte Sorten Spitzenpreise von mehreren hundert englischen Pfund bezahlt. Die „Galanthomanie“ hat sich inzwischen über England ausgedehnt und ist in die Niederlande und nach Deutschland geschwappt. Zahlreiche Anlässe mit Märkten sind zu einem Magnet für Liebhaberinnen und Liebhaber geworden. Verschiedene Gartenreiseanbieter locken mit Schneeglöckchen-Reisen schon ihre Kundschaft an. Und sie kommen und kaufen. Sorten, die in Gärten entstanden sind, von Liebhabern aus Privatgärten.

Bild: Galanthus 'Grakes Yellow'. Eine grosse Nachfrage erfahren Sorten, die gelbe Markierungen oder einen gelben Kelch haben. Sie stammen meist von der früh blühenden Art Galanthus reginae-olgae ab. (Günter Waldorf)

Doch Vorsicht, es gibt bei der Einfuhr der kostbaren Pflänzchen in die Schweiz einige Hindernisse zu überwinden. So viele Hindernisse, dass sich potentielle Reiseteilnehmerinnen und -teilnehmer fragen müssen, ob sie sich nicht besser auf andere Sammelobjekte verlagern sollen.

Artenschutz ist auch ein Sortenschutz

Nehmen wir an, Sie haben als Schneeglöckchen-Liebhaber eine Reise gebucht, auf der sie zahlreiche Gärtnereien oder Märkte besuchen und die eine oder andere Rarität kaufen möchten. Wenn Sie beabsichtigen, Pflanzen zu kaufen, sollten Sie schon vor der Reise aktiv werden. Bevor Sie sich anmelden, sollten Sie abklären, bei welcher Gärtnerei (oder Züchter/Privatperson) Sie Pflanzen kaufen möchten (stöhn, aufwändig!). Sie müssen für jede Gattung und von jedem Anbieter ein CITES-Zeugnis oder CITES-Wiederausfuhrzeugnis) verlangen. Die Gärtnerei oder der Züchter müssen das in ihrem Land beim Landwirtschaftsamt (o.ä.) beantragen. Die Kosten sind nach Land unterschiedlich, doch mit einem Betrag ab ca. 60 Euro muss gerechnet werden. Wer glaubt, das Artenschutzgesetzt (CITES) gelte nicht für züchterisch veränderte Arten, täuscht sich.

Bild: Galanthus 'Ballerina', eine begehrte gefüllte Sorte (Günter Waldorf)

Natürlich sind die Spezialitäten-Gärtnereien und schon gar nicht private Züchterinnen auf Schweizer -Kundschaft. Manche werden die Mühe nicht auf sich nehmen. Sie brauchen dazu Überredungskünste, da der Artenschutz in anderen europäischen Ländern, offensichtlich anders umgesetzt wird. Die meisten Gärtnereibesitzerinnen und –besitzer werden sagen, dass ein CITES-Zeugnis nicht nötig sei. Ist es aber, leider.

Falls Sie mit etwas Hartnäckigkeit das CITES-Zeugnis erhalten, müssen Sie das Papier bei der Einfuhr durch eine Zollstelle kontrollieren lassen. Diese Dokumentenkontrolle kostet Fr. 30.- . Zu den Kosten für die Pflanzen kommen also noch  ca. 100 Fr. (CITES-Zeugnis plus Kontrolle) an Gebühren. Das gilt im übrigen auch für  kommerzielle Anbieterinnen und Anbieter. Für Gärtnereibesitzerinnen empfiehlt sich, die Kosten einer Einfuhr genau durchzurechnen.

Wenn Sie Schneeglöckchen-Arten einführen möchten, benötigen Sie zusätzlich eine Einfuhrgenehmigung, ein CITES-Zeugnis und Sie müssen die Pflanzen an einer Artenschutzkontrollstelle (Basel, Genf, Zürich, Bern, Chiasso, St.Margrethen, Le Locle) innert zweier Tage nach Einfuhr vorzeigen. Diese Kontrolle kostet Fr. 60.-. Diese Art der Einfuhr betrifft eher kommerzielle Anbieter.

Einfuhr ohne Papiere wird beschlagnahmt

Sie meinen, das sei doch alles viel zu kompliziert und ginge auch anders? Leider nein. Wir möchten davor warnen. Uns sind Privatpersonen bekannt, die nicht davon wussten oder glaubten, das betreffe züchterisch veränderte Sorten nicht. Die wertvollen Schneeglöckchen-Sorten wurden ihnen am Zoll abgenommen. Später sind sie in einem der Botanischen Gärten der Schweiz gelandet und nicht im eigenen.

Sie fragen sich, was das alles mit Artenschutz zu tun hat. Ja, das fragen wir uns auch.

Plünderungen an Naturstandorten

In Georgien und in der Türkei werden tatsächlich grosse Mengen an Schneeglöckchen in der Natur ausgegraben und an Händler weiterverkauft. Die Bestände an den Wildstandorten sind gefährdet. Doch für die lokale Bevölkerung ist das oft eine wichtige Einnahmequelle. Um die Wildbestände zu schützen und der lokalen Bevölkerung Einkommensmöglichkeiten zu schaffen, entstanden einige Projekte. Dabei handelt es sich um Gärtnereien, in denen Zwiebelpflanzen an Ort und Stelle aus Samen vermehrt werden. Das genügt bei weitem noch nicht. Was sicherlich fehlt, sind Händler, die Zwiebeln aus gärtnerischer Produktion aus den Herkunftsländern vertreiben. Falls Ihnen entsprechende Anbieter bekannt sein sollten, melden Sie uns bitte die Adressen.

Elisabeth Jacob

Weitere Informationen:

Bundesamt für Landwirtschaft: Erläuterungen zum CITES-Gesetz (seit 1.10.2013)

Projekte an Wildstandorten:

Georgien

Türkei

(grosses Bild: Galanthus elwesii / Halava)

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Kommentare

Schneeglöckchen Bezugsquelle

Vor kurzem habe ich von einem Schneeglöckchen-Shop Namens Swiss-Drops in einem englischen Forum gelesen. Ich habe schon einige Arten von anderen Quellen erhalten in den letzten Jahren, bei www.swiss-drops.ch habe ich bisher lediglich ein paar wenige Zwiebeln gekauft. Sie waren allesamt top! Toll, dass es so einen Shop neben Deutschland und England nun auch in der Schweiz gibt!