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Baumbörse und Grossbaum Verpflanzung

Einen alten Baum verpflanzt man nicht. Mit den heutigen technischen Möglichkeiten hat dieses Sprichwort den Kern seiner Aussage eingebüsst. Mit den modernen Grossbaum Verpflanzungsmaschinen lebt die Würde und der Charakter eines alten Baumes auch an einem neuen Standort weiter. Andreas Bernauer (BMB-Group) berichtet im Interview, was mit der Baumbörse und der Grossbaumverpflanzung möglich ist.
 

Baumbörse für Private

Garten.ch: Seit wann gibt es die Baumbörse?

Andreas Bernauer: An der Oega 2016 wurde die Baumbörse erstmals präsentiert und als Neuheit angemeldet. Im Vergleich zum Baumhotel der Baumschule Lamprecht, Vermittelt die Baumbörse nur zwischen Anbietern und Nachfragern. Voraussetzung ist, dass an beiden Standorten die Zufahrt mit der Verpflanzungsmaschine möglich ist.  

Bild baumbörse.ch: Zufahrt über Wiese mittels provisorischer Fahrbahn.

Wieso lohnt es sich ältere Bäume zu verpflanzen?

Ältere Bäume haben in der Regel einen emotionalen Wert. Es lohnt sich mit bestehenden Ressourcen sorgfältig umzugehen. Ein Baum ist schnell gefällt, wächst aber nur langsam. Bis ein Baum eine stattliche Grösse hat vergehen 30 Jahre. Hier fehlt es manchmal an Sensibilität und man geht extrem leichtsinnig mit Bäumen um. Mal ist es mangelnde Aussicht, mal der Ausbau des Strassenverkehrs. Diese Grossbäume liessen sich maschinell verpflanzen. In der Baumbörse finden Bäume Aufnahme mit Stammumfang bis eineinhalb Meter. Der Wurzelballen kann maximal sechseinhalb Kubikmeter Erdreich umfassen.

Bild baumbörse.ch:  Der Baum wird samt Wurzelballen in einem Arbeitsgang ausgestochen.

Welche Bäume eignen sich?

Entscheidend ist die Zufahrt für die Maschine. Die muss gegeben sein. Dann kommen nur gesunde Bäume für die Verpflanzung in Frage. Bäume, die durch Krankheiten und Schädlinge bereits angeschlagen sind, werden nicht verpflanzt.
Bezüglich Gehölzgattung und Art spielt es keine Rolle. In Genf wurden 37 ältere Kastanien verpflanzt. Sie haben neben einer Sportanlage eine neue Heimat gefunden.  Diese Art der Verpflanzung funktioniert für Flachwurzler oder Tiefwurzler gleichermassen.
In Prinzip wird alles ausprobiert. Die Firma Opitz, die Verpflanzungsmaschinen herstellt und vermietet, hat über eine Million Bäume verpflanzt. Die Erfolgsrate liegt praktisch bei 100%. Der Gesundheitszustand des Baumes ist entscheidend.
Vor der Verpflanzung reduziert man das Volumen der Krone mittels Kronenschnitt. Die Kronengrösse richtet sich nach der Grösse des Wurzelballen. Damit reduziert sich die Verdunstungsfläche. Zudem setzt der Verkehrsraum Limiten, maximale Höhen von Unterführungen und maximale Breiten für Strassendurchgängen. Bäume die sich innerhalb eines Bauplatzes verpflanzen lassen sind diesen Restriktionen nicht unterworfen.

Bild baumbörse.ch: Damit der Baum im Verkehrsraum platz hat, werden die Äste zusammengebunden.

Wann ist der ideale Zeitpunkt?

Verpflanzungen sind immer möglich, auch im Sommer. Meist hängt es von der Witterung ab. Nasse Tage mit weichen Böden sind weniger geeignet. Das Fahrzeug wiegt 38 Tonnen ohne Baum. Besser sind die Bodenverhältnisse mit Frost oder Trockenheit. Für die Riesenspaten ist das kein Hinderungsgrund. Sie pressen mit 280 Bar Druck die Schaufeln auch in den gefrorenen Boden. Weniger geeignet sind Monate mit starkem Austrieb bei den Pflanzen.

Bild baumbörse.ch: Transport des Grossbaums in engen Strassen.

Bild baumbörse.ch: Der Baum wird in das vorbereitete Pflanzloch gepflanzt.

Wie läuft die Verpflanzung im Detail ab?

1.    Im Idealfall wird die Baumbörse möglichst früh in die Planung von Projekten einbezogen, Renovationen, Abbruch und Neubau. Man darf auch einen Wunsch deponieren, was für einen Baum, Gattung, Art, Sorte man haben möchte. Weiter ist es sinnvoll mögliche Zeitfenster zu definieren. Die Baumbörse arbeitet dann auf diese Termine hin.

2.    Nach der Anfrage findet die Besichtigung des Grundstückes durch die Baumbörse statt. Sie prüft wie die Zufahrt erfolgen kann und ob Leitungen die Aktivitäten behindern. Zudem sucht sie die Zusammenarbeit mit dem Architekten. Meistens werden Charakterbäume verpflanzt, die ins Gesamtkonzept des Baus passen sollten. In einigen Fällen muss die Pflanzung des Baums vor der Erstellung des Gebäudes stattfinden, da nachträglich keine Zufahrt mehr möglich ist.

3.    Anschliessend sucht die Baumbörse in der Nähe einen Baum. Sofern möglich wird der Wunsch des Kunden bezüglich Gattung und Art entsprochen. Da das Angebot an grossen Bäumen noch klein ist, kommt es aber zu Abweichungen. Meistens lassen sich weniger spezifische Bedürfnisse, wie ein Baum, der Trockenheit verträgt, wenig Immissionen hat, Blüten, Früchte, Blätter, oder schön blüht im Frühjahr, besser erfüllen. Der wichtigste Wunsch ist in der Regel, dass man einen grossen Baum hat, der bereits 30 Jahre gewachsen ist und so einen Neubau mit seiner Geschichte bereichert.

4.    Findet die Baumbörse einen oder mehrere Bäume in einer Umgebung von 30 bis 40 Kilometern, so unterbreitet sie diese dem Kunden als Vorschlag. Nun folgen die Vorbereitungen für den Transport (Kronenschnitt, Klärung Verkehrsweg). Am vereinbarten Tag holt die Baumbörse den Baum ab und pflanzt ihn am neuen Standort gleichentags wieder ein. Ein Gartenbaubetrieb oder Baumpfleger bringt ein spezielles Substrat, das das Anwachsen der Wurzeln unterstütz aus. In dieses wird der Baum gepflanzt. Das Einschlämmen dient dazu, dass die Wurzeln gut mit Erdreich umschlossen sind und so Nährstoffe und Wasser aufnehmen können.  Die Verankerung hält den Baum stabil auch bei Wind und Böen. Für die feinen Wurzeln besteht keine Gefahr, dass sie zerrissen werden und wieder neu anwachsen müssen.

Bild baumbörse.ch: Verpflanzter Baum

Bild baumbörse.ch: Eine spezielle Erdmischung in der Reha-Zone fördert die Wurzelbildung.

5.    Die Nachpflegearbeiten dauern je nach Baum und Standort zwei bis fünf Jahre. Ein Gärtner oder Baumpfleger führt die Arbeiten professionell aus. Sie umfassen Kontrolle der Verankerung, Wässern, Kontrolle des Wachstums, Düngen und Kronenschnitt.

Welche Kosten entstehen?

Die Baumbörse verrechnet lediglich die Kosten für das Handling. Derjenige, der den Baum gibt, bezahlt nichts. Es entstehen ihm keine Kosten für die Fällung und für die Entfernung des Wurzelstocks. Einzig die Auffüllung des Lochs, das durch die Entfernung des Wurzelballens entstanden ist, muss der Baumspender übernehmen.

Die Vorbereitung für den Transport und der Kronenschnitt wird durch die Baumbörse übernommen. Der Baum selber ist gratis. Hier entsteht ein finanzieller Anreiz. Ein verpflanzter Grossbaum ist wesentlich günstiger als ein grosser Neubaum von einer Baumschule.  

Bild baumbörse.ch: Der Rückschnitt der Baumkrone führt zu einer kleineren Verdunstungsfläche.
Der Anspruch der Baumbörse besteht darin massgeschneiderte Angebote zu vermitteln und das Handling professionell durchzuführen. Die grösste Herausforderung besteht darin, die verschiedenen Zeitfenster, die durch den Baumspender und den Baumbezüger gegeben sind, zu optimieren.
Neben den Kosten für die Vorpflege und Verpflanzung fallen Kosten für die Nachpflege an. Der Schlüssel für die Aufteilung der Beträge ist etwa 50:50. Die Nachpflege offerieren in der Regel Gartenbaufirmen oder Baumpfleger.
Da alle Bäume Unikate sind, Alter, Standort, Zufahrt und Transport stark abweichen, lässt sich kein Fixpreis kommunizieren. Jedes Projekt wird separat berechnet.

Wie hoch ist das Risiko, dass der Baum stirbt?

Ein Baum ist ein Lebewesen. Es gibt darum keinen hundertprozentigen Erfolg.  Aber 99.9% sind möglich. Ein gesunder Baum ist dazu die wichtigste Voraussetzung.

Grossbaumverpflanzung

Worum geht es bei der Grossbaumverpflanzung?

Bei grösseren Arealüberbauungen, Renovationen und Rodungen bieten Machbarkeitskonzepte für die Verpflanzung bestehender Bäume eine sinnvolle Alternative zu Fällaktionen.  In Basel auf dem Campus der Basler Versicherung stehen mehrere älter Bäume. Durch die Umpflanzung auf dem Bauareal bleibt der Wert der Bäume und die Attraktivität des Quartiers erhalten. Mit der Umzonung von Industrie zu Wohnzonen stehen bei neuen Bauvorhaben oft Bäume an der falschen Stelle. Auch diese liessen sich an neuen geeigneteren Orten wieder pflanzen.

Ein weiteres Beispiel ist die Abholzung des Dammes am Lettenkanal in Zürich. Auch hier hätte es die Variante gegeben die im Sommer stark gefragten Schattenspender an einen geeigneteren Ort auf dem Areal zu pflanzen.

Vielen Gemeinden, Stadtgärtnereien und Werkhöfen ist die Grossbaumverpflanzung nicht bekannt. Städte, die im Sommer oft als Hitzeinseln bezeichnet werden, könnten hiervon wesentlich profitieren und das Klima nachhaltig verbessern.

Sofern das Terrain befahrbar ist, hält sich zudem der Aufwand für die Verpflanzung in Grenzen. Das Ausgraben eines Baumes dauert vier Minuten. Der Transport innerhalb des Bauareals bietet keine verkehrstechnischen Probleme bezüglich Übergrösse und zu engen Durchfahrten.

Bild baumbörse.ch: Transport eines Grossbaums. Die Limite ist der Verkehrsraum. Auf einem Bauareal besteht die Einschränkung in der Regel nicht.

Wie erfahren Sie von den Projekten?

Bauprojekte werden amtlich publiziert. Das ist ein erster Ansatzpunkt, um unsere Dienstleistungen den Bauherren vorzustellen. Zudem wissen wir, wo alte Bäume bereitstehen und wo ein Bedarf für grössere Bäume besteht. In Luzern ist zum Beispiel die Erneuerung der Bahnhofstrasse geplant. Diese könnte anschliessend neue Bäume vertragen. In einem anderen Quartier sollte eine Baumgruppe gelichtet werden, damit die Wohnungen eines Neubaus über eine bessere Aussicht verfügen. Hier könnte man mit einer Umpflanzung der Grossbäume das Klima, die Fauna und den optischen Eindruck nachhaltig verbessern.
 

Weitere Informationen unter: www.baumboerse.ch

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