Buchsbaumzünsler: genau beobachten, dann (be)handeln

Was tun, wenn Raupen des Buchsbaumzünsleres entdeckt werden? Diese Fragen beschäftigen sowohl Profis als auch Hobbygärtner in den letzten Jahren vermehrt. Eine Übersicht über Methoden und Mittel (Stand Mai. 20130).
(Bild: Thomas Rupp, Basel/www.lepiforum.de)

Der Buchsbaumzünsler oder besser seine Raupen sind gefrässig. Da sie sich nicht nur damit begnügen, die Blätter abzufressen sondern auch an der Rinde knabbern, sterben Hecken oder Solitäre mitunter ganz ab. Häufig bleiben nur Blattrippen und Äste übrig. Bei einem schwächeren Befall und rechtzeitigem Eingreifen, treiben manche Buchsbäume aber auch wieder aus.
Nachdem der Schädling erstmals 2007 in Weill am Rhein festgestellt wurde und sich in der Region Basel schnell auszubreiten begann, wurde er mittlerweile auch in anderen Regionen der Schweiz festgestellt. Es wird vermutet, dass sich durch den Verkauf befallener Buchsbäumchen der Zünsler derart schnell verbreiten konnte.


Bild: Die ausgewachsene Raupe kann bis zu 5 cm gross werden. (WikiComons)

In historischen Gartenanlagen, Friedhöfen und Villengärten wachsen teilweise wertvolle Buchse, die ein stattliches Alter aufweisen. Wie können diese Anlagen geschützt und vor dem kompletten Abfressen bewahrt werden? Im baselstädtischen Friedhof Hörnli und seiner Umgebung wachsen Buchshecken auf einer Länge von 8000 Metern und wertvolle Einzelgehölze. Seit 2007 werden hier Erfahrungen in der Bekämpfung des aus Ostasien eingewanderten Falters gemacht.

Das Vorgehen zur Bekämpfung war im Kanton Basel Stadt pragmatisch. Bei der riesigen Anzahl an Buchspflanzungen auf dem ganzen Stadtgebiet war und ist es unmöglich, alle Pflanzen zu schützen. Nur die als wertvoll definierten Hecken und Gehölze werden deshalb geschützt.
Bei der Bekämpfung wird hauptsächlich auf das biologische Mittel Delfin gesetzt, ein Frassgift, das ein Bazillus enthält (Bacillus thuringiensis), welches junge Raupen parasitiert.
Damit werden im Friedhof Hörnli gute Erfahrungen gemacht. Die Anwendung bedingt ein genaues Beobachten der Buchsbäume. Die Bemühungen der Gärtnerinnen und Gärtner wird unterstützt durch Florine Leuthard, Doktorandin der Biologie, die an der Universität Basel den Buchsbaum-Zünslers erforscht. Sie hat ihre Pheromon- und Licht-Fallen im Friedhof aufgestellt. Dies vereinfacht die Bekämpfung wesentlich, weil das Entwicklungsstadium und somit der Einsatz von Pflanzenschutzmittels einfacher festgestellt werden kann.

Zwei bis drei Generationen pro Jahr

Derzeit rechnet man mit zwei bis drei Generationen von Buchsbaum-Zünslern pro Jahr, je nach klimatischen Verhältnissen. Im Herbst überwintern die Raupen geschützt in ihrem Gespinst auf Buchs oder benachbarten Gehölzen. Selbst sehr kalte Winter, wie die vergangenen zwei, scheinen ihnen nichts anzuhaben. Im Frühjahr (ab 12 Grad, ca. April) werden die Raupen wieder aktiv und beginnen zu fressen. Sie verpuppen sich mehrfach und durchlaufen 5-7 Stadien bis im Juli die Zünsler schlüpfen. Nach der Eiablage macht sich die zweite, gefrässige Generation von Raupen hinter die Buchsbäume. Im September schlüpft die nächste Generation Falter, aus deren Eiern noch im Oktober junge Raupen schlüpfen. Je nach Temperaturverlauf treten sie früher oder später in Winterruhe.

Besonders wichtig sind regelmässige, aufmerksame Kontrollen an Buchsbäumen. Die Gärtner im Friedhof Hörnli haben festgestellt, dass der Befall im Frühjahr im unteren Bereich der Pflanze stattfindet. Im Sommer werden die Eier in der Mitte und im oberen Teil abgelegt und im Herbst wieder im unteren Teil.
 

Bild: Die dunkle Form des Buchsbaumzünslers ist seltener. Eckardo Krüger/www.lepiforum.de

Natürliche Feinde der Raupen und des Zünslers sind bisher nicht beobachtet worden. Für Vögel und andere Frassfeinde sind die Raupen ungeniessbar. Es wurde zwar beobachtet, dass Vögel Larven aufpicken, jedoch auch, dass sie diese wieder ausspucken. Florine Leuthard vermutet, dass die Zünsler und ihre Raupen das Gift des Buchsbaumes aufnehmen und deshalb unverträglich sind für potentielle Fressfeinde.

Keine Behandlung während Winterruhe

Ob noch eine Behandlung gegen die Raupen des Buchsbaumzünslers angezeigt ist oder nicht, kommt auf die Aktivität der Raupen an. Nach Untersuchungen (Herbst 2012) ist die Winterruhe abhängig von der Tageslänge und setzt bereits Ende September ein. Die Raupen überwintern in einem Gespinst von Blättern und Fäden und werden erst mit steigenden Temperaturen im kommenden April (ab 12 Grad) wieder aktiv. 

 

Bild: Raupen spinnen sich ein. Walter Schön/www.lepforum.de

Wenn sich die Raupen bereits in Winterruhe begeben haben, bringt eine Behandlung nichts Es kann aber durchaus sein, dass einzelne junge Raupen noch an den Blättern des Buchsbaumes knabbern. Diese Raupen können abgelesen und entsorgt werden.

Bei starkem Befall empfehlen sich Mittel auf Basis des Bacillus thuringiensis (z.B. Delfin von Biogarten/Biocontrol). Am wirkungsvollsten wird das Mittel bei einer Raupengrösse ab 1 cm gespritzt. Es ist aber auch in späteren Stadien, wenn die Raupen grösser sind, wirksam.

Möglich sind auch Insektizide auf Basis von Pyrethrin (auch in biologischen Anbau anwendbar). Der Wirkstoff kommt natürlich vor in einer asiatischen Chrysanthemen-Art. Problematischer ist das synthetisch hergestellte Pyrethrin Lambda-Cyhalothrin. Es ist in Karate Zeon oder Kendo enthalten und im Handel (für Berufsanwender aus Gartenbau und Landwirtschaft) erhältlich. Die synthetischen Pyrethrine haben eine längere Wirkungszeit (ca. 6 Wochen) als die natürlichen (wenige Tage). Beide Mittel können auch Nützlinge treffen und sind giftig für Bienen (siehe weitere Hinweise unten bei den für die Schweiz zugelassenen Produkten).

Auch mechanische Behandlung möglich

Alternativ zum Ausbringen von Pflanzenschutzmitteln können die Raupen von Hand abgelesen, mit einem Staubsauger (Sack anschliessend entsorgen) abgesaugt werden. oder vorsichtig mit einem Hochdruckreiniger abgespritzt werden. Diese Methoden eignen sich besonders dann, wenn es sich um einzelne Buchse handelt. Auch ein Abklopfen mit einem Stock kann die störungsanfälligen Raupen aus den Büschen klopfen. Wichtig ist, dass bei den mechanischen Methoden das Sammelgut (Raupen) anschliessend im Kehricht entsorgt wird.

 

Bild: Eier an Buchszweigen. Colette Walter www.lepiforum.de

Von den beliebten Insektiziden, die von Hobbygärtnerinnen und –gärtnern gerne gegen alles mögliche kriechende und fliegende Ungetier gestreut werden – Actara und Marshall – (letzteres inzwischen nicht mehr auf dem Markt) muss abgeraten werden, da für die Behandlung keine Zulassung besteht vom Bundesamt für Landwirtschaft. Es handelt sich um systemische Mittel – und Umweltgifte - , deren Wirkstoffe durch die Wurzeln aufgenommen und in alle Pflanzenteile transportiert werden. Da dies beim langsam wachsenden Buchs aber zu lange dauert und ausserdem die Gefahr besteht, dass Nützlinge zu Schaden kommen, muss von dieser Verwendung abgeraten werden.
Die Behandlung von wertvollen Buchsbäumen wird mit Vorteil Fachleuten überlassen, da sie einiges Wissen erfordert wie der Zyklus des Schädlings, Zeitpunkt der Behandlung, Wahl des Pflanzenschutzmittels und eine Schutzausrüstung erfordert.
 
Bild: Puppen des Buchsbaumzünslers
Walter Schön www.lepiforum.de

Vielfalt fördern

Die Ausbreitung des Buchsbaum-Zünslers muss nicht gleich auch der Abschied vom beliebten Buchs bedeuten. Es hat sich in den letzten Jahren aber gezeigt, dass Buchs nicht das unkomplizierte, pflegeleichte Gehölz ist, als das es manche Gärtnerinnen gerne sehen. Auch Buchs muss gepflegt, gedüngt und gegossen werden, damit er gesund bleiben und weniger anfällig auf Krankheiten ist.
Eine möglichst grosse Artenvielfalt ist auch in einer Parkanlage oder im eigenen Garten sinnvoll, denn dadurch kann sich ein einzelner Schädling nicht derart verheerend auswirken. Die Alternative für den Buchs sollte aus einer Vielzahl von Heckenpflanzen oder Gehölzen bestehen, angepasst an Standort und Klima und erstanden in einer qualitativ guten Baumschule oder Gärtnerei.     

Empfehlungen zur Behandlung

Die zugelassenen Pflanzenschutzmittel sind in der Schweiz im Verzeichnis des Bundesamtes für Landwirtschaft zu finden.
Da die Zulassungen von Pflanzenschutzmitteln ändern können, empfiehlt sich eine regelmässige Überprüfung. In der Datenbank finden sich unter dem Schadorganismus Buchsbaumzünsler wenige Einträge (3). Weitere sind unter blattfressende Raupen und unter Lepidotenlarven zu finden, wobei hier der Anwendungsbereich zu berücksichtigen ist und deshalb nur ein Teil der Pflanzenschutzmittel in Frage kommen. Bei der Dosierung und genauen Anwendung sind die Hinweise der Herstellerfirma zu beachten.

Für den Hausgarten:
- Delfin
- Alanto Garden (Wirkstoff Thiacloprid)
- Alanto Spray
- Gesal Calypso Insektizid, Giess- und Spritzmittel (Thiacloprid)
- Gesal Calypso Langzeit, Insektizid-Spray
- Gesal naturale, Wirkstoff Pyrethrine
- Pyrethrum AF, Wirkstoff Pyrethrine mit Sesamöl

Freiland, Profi-Anwendung:
-    Delfin, (Bacillus thuringiensis var. kurstaki)
-    Karate Zeon (Lambda-Cyhalothrin), 1 Behandlung pro Jahr
-    Kendo (Lambda-Cyhalothrin), 1 Behandlung Pro Jahr
-    Pyrethrum FS (Sesamöl und Pyrethrin)
-    Realchemie Lambda-Cyhalothrin 100 CS (Lambda-Cyhalothrin)

Gewächshaus:
-    Gesal Naturale (Pyrethrin)
-    Sanoplant (Pyrethrin)
 

Wichtig: Der Wirkstoff Lambda-Cyhalothrin ist giftig für Bienen. Da der Wirkstoff gemäss Herstellerfirmen lange an den Pflanzen haften bleibt, kommen Bienen zur Blütezeit von Buchs (zwischen März und Mai) in Kontakt mit dem Giftstoff. Es bringt also nichts, das Spritzmittel frühmorgens oder spätabends (nach Tagesanbruch und vor dem Eindunkeln) und bei Temperaturen von unter 8 Grad auszubringen. Dies wird bei Kontaktmitteln, die nur kurz an den Pflanzen haften, geraten. Es ist besser für die Bienen, ganz auf Mittel mit dem Wirkstoff Lambda-Cyhalothrin zu verzichten.
Die erwähnten Produkte sind in der Schweiz zugelassen. Entsprechende Produkte für Deutschland finden Sie auf der Datenbank des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit. Weitere Infos zum Buchsbaumzünsler,  Bilder verschiedener Entwicklungsstadien, Vorkommen, Medienberichte auf www.lepiforum.de

Und hier lesen Sie das neuste über die Raupen des Buchsbaumzünslers (September 2012).

 

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